Das Missverständnis „Tut Busse und glaubt…“

Als Start unsrer neuen Predigtserie habe ich darüber gesprochen, wie der Himmel auf die Erde kommt. Dabei spielt jeder einzelne Nachfolger Jesu eine entscheidende Rolle. Jesus leitet Nachfolge immer wieder mit den Worten ein:Tut Buße und glaubt an das Evangelium! (Mk.1,15)
Wenn wir das zu hören, dann denken wir ganz schnell an das Bereuen von einzelnen Sünden. An Beichten. Ich bitte um Vergebung für einzelne Sünden, die ich auf meinem Lebensweg begangen habe. Wohl gemerkt: meinem Lebensweg. Diese Aufforderung Jesu zur Nachfolge wird von vielen Christen so verstanden, dass sie ihren Lebensweg weitergehen, auf diesem Lebensweg immer wieder um Vergebung für ihre Sünden bitten, und sich darauf verlassen können, dass Gott sie in den Himmel bringt und in allen Nöten des Lebens beisteht. Und wir haben den Eindruck, dass durch dieses Bitten um Vergebung Jesus irgendwie zum Herr unseres Lebens geworden ist.


Dieser Ausdruck »tut Buße und glaubt ans Evangelium« (griechisch: Μετανοειτε και πιστευετε) hat aber seine Geschichte. Wie haben die Juden im ersten Jahrhundert diese Worte verstanden?

Es gibt ein interessantes Dokument von Flavius Josephus, einem jüdischen Adligen und Oberbefehlshaber der jüdischen Armee. Er hat einige Bücher und Dokumente in griechischer Sprache verfasst. Sie stammen aus den späten sechziger Jahren n. Chr. Als Oberbefehlshaber der Armee hatte er zunächst die Aufgabe, gegen die Römer Krieg zu führen. Relativ bald merkt er aber, dass diese Strategie zum Scheitern verurteilt war und es für das gesamte jüdische Volk besser wäre, mit den Römern zusammen zu arbeiten als gegen sie zu revoltieren. Als er also seinen Plan änderte, musste er einige andere militärische Anführer davon überzeugen, ihre eigenen Pläne der Revolution fallen zu lassen und sich seinem Plan der Kollaboration mit den Römern anzuschließen. Als er diesen Anführern schrieb: »lasst eure eigenen Pläne fallen und vertraut meinen Plänen«, da tat er es mit den gleichen griechischen Worten, die wir auch bei Jesus lesen und die wir üblicherweise mit »tut Buße und glaubt« übersetzen.

Als Josephus schrieb Μετανοειτε και πιστευετε, da wollte er diesen Anführern nicht sagen: bereut eure Sünden und werdet religiös, sondern vielmehr: gebt eurer eigenen Pläne auf und schließt euch meinen Plänen an, seid meiner Agenda gegenüber loyal.



Wir haben aus diesen beiden Begriffen etwas total religiös einseitiges gemacht: Persönliche Beichte, immer wieder Sünden bekennen. Und gleichzeitig die eigene Agenda verfolgen und den eigenen Weg gehen.

Um was es Jesus geht ist etwas anderes: Ihm nachzufolgen bedeutet, dass ich mich von meiner eigenen Lebensagenda, meinen Lebensplänen abwende und mich ganz und loyal in den Dienst seiner Pläne, seiner Absichten und seiner Agenda stelle! Christ werden ist nicht der Entschluss, Jesus in mein Leben zu integrieren. Es ist nicht die Bereicherung meines Lebens mit einer himmlischen Lebensversicherung, himmlischer Hilfe und einer sinnvollen Lebensphilosophie.
Es ist vielmehr der Entschluss mich ganz in den Dienst der Absichten Jesu zu stellen. Ich integriere mich in seine Absichten, ich werde Teil seines Auftrags, ich werde Teil seiner Mission. Und ich bin berufen, diese Mission erfolgreich durchzuführen, biblisch gesprochen: Frucht zu bringen.



Hier findest du die gesamte Predigt:








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